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Zeffirellis erste Traviata in der Arena von Verona am Eröffnungsabend des Opernfestivals 2019
 Zeffirelli, der letzte groβe Meister der Opernregie in Italien, in einer neuen Produktion, als Summa seiner ästhetischen Auffassung der geliebten und häufig dargestellten Traviata
Zwei lang gehegte Liebschaften, die endlich zusammenkommen: La Traviata und die Arena von Verona. La Traviata ist mit Sicherheit eine der von Zeffirelli in seiner langen Karriere als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner am häufigsten dargestellten Opern; 1958 hatte er diese Oper in Dallas in der Besetzung von Maria Callas inszeniert und sich als junger aufstrebender Regisseur mit seinem künstlerischen Vorbild Visconti gemessen, der die Oper kurz vorher in der berühmten Gestaltung an der Mailänder Scala dargestellt hatte; bekannt sind auch seine engen Beziehungen zu Verona, mit seinem persönlichen Touch beim Restyling der Piazza Bra, insbesondere aber mit der Arena, in deren immensen und feierlichen Weite er unvergessliche Operninszenierungen von Carmen, Aida, Il Trovatore, Turandot, Madama Butterfly, Don Giovanni kreiert hat und für die diesjährige Opernsaison endlich die allseits erwartete Traviata. Die Erwartungen sind riesig, nicht nur weil der Artist mit diesem Werk in der Opernwelt einen Meilenstein gesetzt hat, man denke nur an die Verfilmung von Traviata aus dem Jahr 1983, die die Chronik der Oper auf der Leinwand stark geprägt hat, sondern auch weil alle Traviate von Zeffirelli das Publikum in aller Welt immer bezaubert haben, in seinen ständigen, ästhetisch untadeligen und emotionell faszinierenden Neuauslegungen des populären Dramas von Giuseppe Verdi. Nun kommt endlich “seine" Traviata in die Arena und diese Inszenierung wird wirklich zum Höhepunkt seiner fortwährenden, sachkundigen Auslegung des Texts, die den Artisten sein ganzes Leben begleitet hat.
Also eine neue Traviata, die gleichzeitig zur Chronik einer langen Ideenkette von Bildern, Farbnuancen und Anregungen wird, die sich in den Augen und Herzen der Opernfans aus aller Welt eingenistet haben, unter Zitaten, Sinnesänderungen, Erinnerungen an frühere Gestaltungen, als handle es sich um eine Enzyklopädie der stilistischen Űberlegungen Zeffirellis rund um das heissgeliebte Thema. Man könnte also diese Traviata in der Arena als allerletzte Zusammenfassung eines wagnerianischen Leitmotivs bezeichnen, das ewig in der Schwebe war und nun im Juni 2019 vollendet wird.
Desto mehr wenn es sich um eine bedeutende Produktion handelt, insbesondere in den Augen der jüngeren Generationen, die die groβartigen Inszenierungen Zeffirellis aus der Vergangenheit nicht persönlich erlebt haben und ein Fresko vorfinden werden, das das Florilegium einer auserlesenen, von Erfahrungen geprägten Ideenkette darstellt, hochstilisierte Űberlegungen und gleichzeitig auch ein historisches und ästhetisches Dokument.
Und alle Akteure, die diese Traviata wollten, sind an sie und an Maestro Zeffirelli durch lange, warmherzige, berufliche und persönliche Beziehungen gebunden: nicht nur die Stadt Verona, deren Prunkplatz in den vom Florentiner Meister kreierten Farben strahlt; auch der Spielplan des Opernfestivals in der Arena, der zum Groβteil auf seine Inszenierungen fuβt und ihn im Jahr 2010 mit ausschliesslich von ihm gezeichneten Inszenierungen geehrt hatte; auch die Oberintendantin und künstlerische Leiterin Cecilia Gasdia, die am 9. Dezember 1984 in Florenz die Traviata unter der musikalischen Leitung von Carlos Kleiber und der Regie von Franco Zeffirelli gesungen hatte, und der stellvertretende künstlerische Leiter Stefano Trespidi, der seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Maestro 1995 in der Arena mit Carmen begonnen hatte; und nicht zuletzt die Mitarbeiter der Stiftung Arena, die dank der groβmütigen Zusammenarbeit mit dem Maestro durch tiefe Zuneigung an ihn gebunden sind und Jahr für Jahr seine künstlerischen Anleitungen lebendig halten.
Die Idee geht auf das Jahr 2008 zurück als er seinen persönlichen Wunsch und seine Leidenschaft für die Traviata äuβerte, aber erst in diesem Jahr, nach einem langen und umfassenden Werdegang wurde der Wunsch zur Wirklichkeit, dies vor allem wegen der Bedeutsamkeit der Oper, des Orts, der Handlung und der Verflechtung von Gefühlen und Beziehungen und auch des Anspruchs, dem Publikum die Perfektion selbst bieten zu wollen, nach der der Maestro, der letzte Kunsthandwerker der Bühne immer mit eigenwilliger Entschlossenheit gestrebt hat, als wahrer Botschafter der groβen italienischen Operntradition in aller Welt.
Franco Zeffirelli ist Experte im Umgang mit der diffizilen und kniffligen Bühne der Arena, deren Fallen und Tücken er bestens kennt, mit ihrem immensen Raum und den riesigen Darstellermassen, die sich auf ihr bewegen; er weiss aber auch, wie die Möglichkeiten jenes so prestigereichen und furchteinflöβenden Raums bestens zu nutzen sind und wird nun mit diesem Jahr seinen reichen cursus honorum in der Arena mit seiner siebten Inszenierung bereichern, mit der seine ruhmreiche Karriere sich in einem ideellen countdown dem hundersten Opernfestival in der Arena im Kreise seiner qualifizierten, unermüdlichen Mitarbeiter nähert.
Unter den Selbstzitaten, die einem aufmerksamen Publikum nicht entgehen, ist die Erfindung des Bühnenvorhangs auf der Freilichtbühne anlässlich der Carmen in der Arena 1995 zu nennen, die Leidenschaft für den coup de théâtre mit einem visuellen Szenenwechsel im zweiten Akt und das Vorhandensein auf der Bühne des Originalbettes aus der Verfilmung vom Jahr 1983. |
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